PORTRäTS — ACIDREPORT
Porträts
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Das Porträt als Diagnose
Ein Porträt ist weder eine gefällige Biografie noch ein Magazinprofil. Hier wird eine Person untersucht, wie man ein Symptom untersucht, nicht aus Neugier über ihr Privatleben, sondern weil ihr Werdegang zeigt, wie eine Machtstruktur tatsächlich funktioniert. Das Private interessiert nur, wenn es das Institutionelle erklärt.
Wir wählen, wen wir porträtieren, nach seiner Funktion, nicht nach seiner Berühmtheit. Ein untergeordneter Beamter mit Zugang zu wichtigen Entscheidungen interessiert uns mehr als eine Berühmtheit ohne echten Einfluss, denn Macht wird selten dort ausgeübt, wohin die Kamera zeigt. Das Individuum ist der Eingang, die Struktur ist das Thema.
Manche der Porträtierten haben nie auf unsere Fragen geantwortet. Auch das ist eine Information, denn das Schweigen auf konkrete Fragen zu konkreten Entscheidungen sagt oft ebenso viel wie eine vollständige Antwort, manchmal mehr. Jeder Kontaktversuch wird im endgültigen Text vermerkt, nicht als Vorwurf, sondern als Teil der Methode, damit der Leser genau weiss, was gefragt und was verschwiegen wurde.
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